{"id":1435,"date":"2012-07-27T14:56:04","date_gmt":"2012-07-27T12:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wegorythm.net\/?p=1435"},"modified":"2014-11-26T10:43:27","modified_gmt":"2014-11-26T09:43:27","slug":"harraga-versus-kassel-eine-erorterung-zur-documenta-13-27-juli-2012","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.wegorythm.net\/?p=1435","title":{"rendered":"27 Juli 2012 Zusammenbruch und Wideraufbau: Harraga versus Kassel, eine Er\u00f6rterung zur dOCUMENTA 13 vom 28. bis 30.6.2012"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1438\" title=\"Inter City Hotel\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Inter-City-Hotel-809x1024.jpg\" width=\"809\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Inter-City-Hotel-809x1024.jpg 809w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Inter-City-Hotel-237x300.jpg 237w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Inter-City-Hotel.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 809px) 100vw, 809px\" \/><\/p>\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">Bild oben: Inter City Hotel, Bahnhof Wilhelmsh\u00f6he Kassel<\/span><\/h3>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Im Foyer des Offenen Kanal\u2019s wird zur dOCUMENTA 13, von dOCUMENTA-Hostess_Innen mit lila-mauve-creme farbenen, um den Hals gebundenen Sch\u00e4rpen, gegen Hinterlegung eines Personalausweises ein iPod ausgeh\u00e4ndigt der einschliesslich einer freundlichen Bedienungsanleitung, zur Lautst\u00e4rkeregelung per Fingerzeig, mit auf den virtuellen Pfad per touchscreen gegeben wird. Medial nunmehr ger\u00fcstet, wurde man anschliessend aufgefordert zu einer \u201aTour de Gare\u2019, auf der linken Seite einer bereitgestellten Parkbank vor dem Eingang des Offenen Kanal\u2019s Kassel<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>im Geb\u00e4ude des ehemaligen Hauptbahnhof und der als fixer Ausgangspunkt einer \u201esightely perspective\u201c, erst einmal bot Platz (ein-) zu nehmen.<\/h3>\n<h3>Wer allerdings entgegen der in schmachtender Stimmlage versetzten, kanadischen Installationsk\u00fcnstler_In Janet Cardiff, cinematografisch perfekt umgesetzten Selbst-Inszenierung einer virtuellen Realiterkosmetik \u00fcber iPod und deren \u00a0bedenklich unverfrorene Selbstbedienung oder vielmehr \u00dcbergriff auf die Erz\u00e4hlstrukturen namenloser Anderer, nicht namentlich anerkannter, (noch erw\u00e4hnter) Author_Innen, dem betriebsamen Geschehen im Bahnhofsgeb\u00e4ude mehr Aufmerksamkeit zuwandte, konnte eine durch Ihre Schlichtheit bemerkenswerte, wenn gleichwohl unscheinbare Installation ausfindig machen, (der mir unbekannten K\u00fcnstler_In Susan Philipsz), mit dem Titel \u201e2 Minuten Gehweg auf dem Bahnsteig\u201c.<\/h3>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<h3><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> <span style=\"color: #3366ff;\">Der Offene Kanal Kassel wurde, (laut Angaben der projekteigenen homepage) im Jahr 1992 von der Hessischen Landesanstalt f\u00fcr privaten Rundfunk und neue Medien eingerichtet zum Zweck, dass alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der Region selbst Fernsehen machen k\u00f6nnen. Die notwendigen Voraussetzungen wie Technik und Betreuung werden in den ehemaligen Henkels\u00e4len des KulturBahnhof, in Form von Kursen und Seminaren des Medienprojektzentrum\u2019s Offener Kanal Kassel angeboten. Wobei es anzumerken gilt, dass es den Offenen Kanal landesweit auch in anderen St\u00e4dten wie beispielsweise Frankfurt, Magdeburg genauso wie in Berlin gibt. L\u00f6blich hervorzuheben ist vielleicht mit Sendern vergleichbarer Gr\u00f6sse in der Schweizer Fernseh- und Medienlandschaft, wo s\u00e4mtliche Lokalsender von Privatanbietern gestellt werden, es sich beim Offenen Kanal Kassel, hingegen um ein Projekt handelt, welches eine b\u00fcrgernah-basisdemokratische \u00dcberzeugung mit (\u00dc)berregionalem Sendebewusstsein, sowie eine starke Einbindung der Jugend via eigens dazu bereitgestellten Sendegef\u00e4ssen ausstrahlt. F\u00fcr diese Anliegen wird im Offenen Kanal mit Engagement geworben und (\u00dc)berzeugung eingetreten, wenn auch, als kleiner Wermutstropfen, man h\u00fcben wie dr\u00fcben auch hier den Verdacht nicht g\u00e4nzlich abzustreifen vermag, dass Migrationsspezifsche Anliegen und Themen auch hier eher in den Hintergrund treten oder als marginal erachtet werden.<\/span><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1437\" title=\"impressiongruppe\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/impressiongruppe-767x1024.jpg\" width=\"767\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/impressiongruppe-767x1024.jpg 767w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/impressiongruppe-224x300.jpg 224w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/impressiongruppe.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px\" \/><\/p>\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">Bild oben: Gruppe von Masterstudenten des Institut Kunst der fhnw Basel, dOCUMENTA 13 Kassel Juli 2012\u00a0<\/span><\/h3>\n<h3>Wer sich auf Philipsz einliess, wankte zweifelsohne in einen Zustand der (An-) Spannung in Form einer (\u00dc)bersteigerten Erwartungshaltung, welche unm\u00f6glich mit den rationalen Erfahrungsweisen des Verstandes erschlossen werden konnte. Vielmehr fand man sich wieder in Angesicht der eigenen Ungewissheiten. Mit jedem Schritt entlang dieses verlassenen Bahnsteigs, mit dem gebrochenen Asphalt unter den F\u00fcssen, der Blick der h\u00e4ngen bleibt in einem Anflug von Nostalgie bez\u00fcglich des geschmiedeten, gewundenen Eisens im Jugendstil aus der Bl\u00fctezeit der Industrialisierung und der aufkommenden Wehmut, wie die alten Lackschichten auf den Eisentr\u00e4gern, welche wieder und wieder \u00fcbermalt wurden und doch unter Hitze, K\u00e4lte und Witterung immer wieder aufbricht wie die Sehnsucht nach langen Reisen. Konventionen werden hier neu verhandelt, wie zum Beispiel \u00fcber die Erfahrung des Sinnlichen \u00fcber die Vermittlung durch den oder die K\u00fcnstler_In gegen\u00fcber einem stets objektbezogen, oder als solchen durchdeklinierten Werkbegriffs. Wo beginnt der k\u00fcnstlerische Eingriff?<\/h3>\n<h3>Der Titel&#8230; ist gewissermassen Handlungsanleitung, die Partitur und das Werk, das sich von jedem und jeder Betrachter_In aufs Neue (ein-) schreibt. Ist die Rahmung meines Blicks von der K\u00fcnstler_In bewusst geleitet? Die nuancenreiche Beziehung zwischen einer bestehenden Absicht der K\u00fcnstler_In und meiner Erinnerung, meiner idiosynkratischen Erfahrungswelt? Dieser Eingriff in die Wahrnehmung, ist das von der K\u00fcnstler_In beabsichtigte, wird durch Verschiebungen in der Wahrnehmungshaltung, neue Begriffe zum Werk und zum Schaffen des oder der K\u00fcnstler_In freigelegt.<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1456\" title=\"1200727_korr_dOC13Beitrag\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1200727_korr_dOC13Beitrag-757x1024.jpg\" width=\"757\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1200727_korr_dOC13Beitrag-757x1024.jpg 757w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1200727_korr_dOC13Beitrag-221x300.jpg 221w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/1200727_korr_dOC13Beitrag.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 757px) 100vw, 757px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #ffcc00;\">Bild oben: Marsch der Sans-Papiers vom 21.Juni 2012 in Basel<\/span><\/h3>\n<h3>Wobei Vergleiche von damals zu heute herbeizuziehen, in diesem Zusammenhang in mehrerer Hinsicht \u00a0als eher seltsam m\u00fcssig denn als\u00a0wahrscheinlich\u00a0betrachtet werden d\u00fcrfen \u2013 weil erstens, wohl niemand von uns je nachvollziehen kann, was damals die Deportierten innerlich gef\u00fchlt oder durchlebt haben &#8211; zugestanden (danke Regine:-) &#8211; und des weiteren ist da wo im Umgang mit der Aufarbeitung der (Nationalsozialistischen) Vergangenheit, die Kl\u00e4rung der Schuldfrage oftmals im Zentrum der Interessen steht, in der Auseinandersetzung mit der Gegenwart, im Hier und Jetzt der k\u00fcnstlerisch geschaffenen Erfahrungswelten &#8211; die Ausgangslage vielmehr die, dass die kritische Betrachtungsweise selbst erfordert, dass die Kriterien unserer Erkenntnisweisen in Frage zu stellen sind, respektive zum Gegenstand unserer Untersuchungen werden.<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1439\" title=\"notmuchofalastingimpressioneither\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/notmuchofalastingimpressioneither-714x1024.jpg\" width=\"714\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/notmuchofalastingimpressioneither-714x1024.jpg 714w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/notmuchofalastingimpressioneither-209x300.jpg 209w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/notmuchofalastingimpressioneither.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px\" \/><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">\u00a0Bild oben: Tejal Shah, Mumbai, Between the Waves 2012, HauptKulturbahnhof S\u00fcd, Indiginous Women (Women of Color), enjoy their sexuality, balcony on high-modern high-rise building, stand in sharp contrast with waste and dump site&#8217;s choreographed performance backdrop, subtropic climate, heavy rains, grenade apple, vagina suffocation mask, white protuberance, phallic crayons, dOCUMENTA13 Kassel 2012<\/span><\/h3>\n<h3>Exakt dieser Gegenstand meiner Untersuchungen, fand Ich diesmal in Form der Installation <em><span style=\"color: #21acdd;\">a place \u2013 near the buried canal<\/span>,<\/em> des kanadischen K\u00fcnstlers Gareth Moore vor. Das Ereignishafte an Moore\u2019s zeitlich-verg\u00e4nglichen Auseinandersetzungen, die eigenwillig und spr\u00f6d waren ohne je derb zu wirken, grub sich nachhaltig und vertieft in das Unterbewusste meiner Erkenntnisweisen ein. Moore\u2019s Installation gebietet mir vermehrt wieder einen Moment Einhalt zu nehmen, dem atemlosen Hin- und Herswitchen, meine bewusste Aufmerksamkeit entgegenzusetzen, sie auf das zu richten, was um mich herum geschieht, um zu lauschen &#8211; anstatt nur mit einem Ohr hinzuh\u00f6ren &#8211; absichtslos gewiss, aber auch aus ganz eigenen Interessen, banalen (\u00dc)berlegungen, ein St\u00fcck weit Verwunderung wom\u00f6glich &#8211; oder gar Staunen wieder \u00a0genau da zu erlernen, wo keinerlei Bewunderung mehr \u00fcbrig blieb \u2013 sondern nur noch Konsumhaftes Verhalten.<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1440\" title=\"Thea Djordjadze Installation\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Thea-Djordjadze-Installation.jpg\" width=\"960\" height=\"802\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Thea-Djordjadze-Installation.jpg 960w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Thea-Djordjadze-Installation-300x250.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">\u00a0Bild oben: Installationsansicht Thea Djordjadze, Karlsaue Pavillon Nummer 50, dOCUMENTA 13 Kassel<\/span><\/h3>\n<h3>Moore hat einen bloss h\u00fcftbreit abgesteckten Parcours, eine Art Saumpfad durch offenes Gel\u00e4nde gelegt, von einer Insel, einer An\u00e4ufnung von Kopien hellenistischer Skulpturen und Girlanden zum NickelandDime(Cent-)enniaryHonigKuchenPfennigM\u00fcnzenOpferstock. Allerdings bevor man dieses Gel\u00e4nde betreten durfte, wurden an der &#8211; an die Umz\u00e4unungen einer Kuhweide erinnernden Pforte &#8211; die Besucher_Innen gebeten Handy und Kameras abzugeben. Mein erstes Gest\u00e4ndnis somit folgt auf den Fuss, so habe Ich mich nur bedingt an die Auflage gehalten. Entgegen meiner vollmundigen Offenbarung gegen\u00fcber der zuvorkommenden jungen Dame an der Rezeption, trug Ich die ganze Zeit \u00fcber verdeckt in meiner Tasche, ein eingeschaltetes Tonaufnahmeger\u00e4t mit mir.<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><\/h3>\n[audio:http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/dOC13GarethMoorePfennigOpferstock.mp3]\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">Audio Track oben: Gareth Moore bei der Pflege und Bearbeitung Seines M\u00fcnzweihealtars, Karlsaue Pavillon Nummer 120, dOCUMENTA 13 Kassel<\/span><\/h3>\n<h3>Gareth Moore w\u00e4hlte f\u00fcr Seine von Ihm selbst zur Dauer der dOCUMENTA 13, ganzj\u00e4hrig \u00fcber bewohnte Installation, eine etwas abgelegene Ecke der Karlsaue, welche \u00fcblicherweise zum Unterhalt der Parkanlage genutzt wird. Die in Ihrer aus Fertigbauelementen von roh zusammengezimmerten Pressholzplatten, an die stilistisch oft alpenl\u00e4ndisch, folkloristisch-volkst\u00fcmlich gepr\u00e4gten, architektonischen Albtr\u00e4ume der verordneten pastoralen Geselligkeit von Schrebergartenh\u00e4uschensubotnikultur [&#8230;] erinnernden, witterungsresistente Pavillons, welche als Standorte der verschiedenen Installationen in der Karlsaue dienten, hat Moore eigens f\u00fcr die dOCUMENTA in ein \u00e4usserlich etwas leicht verschroben, mit einem zudem noch mulmigen Gef\u00fchl anhaftendes &#8211; Refugium verwandelt.<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1443\" title=\"Henkels\u00e4le Nanni Balestrini\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Henkels\u00e4le-Nanni-Balestrini-801x1024.jpg\" width=\"801\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Henkels\u00e4le-Nanni-Balestrini-801x1024.jpg 801w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Henkels\u00e4le-Nanni-Balestrini-234x300.jpg 234w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Henkels\u00e4le-Nanni-Balestrini.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/p>\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">Bild oben: Installationsansicht Nanni Balestrini, in den ehemals Henkels\u00e4len mit Vorwort von Fabio (The ENd) Mauri, Kulturhauptbahnhof, dOCUMENTA 13 Kassel<\/span><\/h3>\n<h3>Sich dessen wohl bewusst doch ungeachtet dem unermesslichen Aufwand an k\u00f6rperlicher Entbehrung bis an die Grenzen der eigenen psychischen wie physischen Belastbarkeit, hat sich Moore auf die Herausforderungen eingelassen, eine ansonsten mehr durch unebene bis unwegsam sumpfige Bodenbeschaffenheiten auffallende Parzelle von Waldboden und Buschgraslandschaft mit k\u00fcnstlerischen-kreativen Strategien und einem minimalen Aufwand an technischen Hilfsmitteln sich als Mikrokosmos produktiv zu machen.<\/h3>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1466\" title=\"11_11_20Tunis_05KherredineJuni2010\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/11_11_20Tunis_05KherredineJuni2010.jpg\" width=\"800\" height=\"556\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/11_11_20Tunis_05KherredineJuni2010.jpg 800w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/11_11_20Tunis_05KherredineJuni2010-300x208.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/h3>\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">Bild oben: Kherredine Tunis, 2010, en avant, en avancement du Revolution Arabe, oder siehe auch Wenzel&#8217;s blog auf wegorythm.net<\/span><\/h3>\n<h3>Sehr oft unterbewertet jedoch in m\u00fchseliger Kleinarbeit zusammengesetzt, getragen, verschoben, umgedreht, entstellt, entlarvt, entdinglicht &#8211; entstehen \u00a0zwischen Verg\u00e4nglich-kompostierbarem, bis zu einem gewissen Grad des fortgeschrittenen Zerfalls sich selbst \u00fcberlassenen Objekten, wie Baumstr\u00fcnken und Wurzeln, sowohl als auch Jenes, welches oftmals achtlos weggeworfenen und in Vergessenheit geratenen, wie rostende Metallteile, Bruchst\u00fccke von Hausabrisstr\u00fcmmern, Blechdosen und vieles mehr, aus deren entropischen Zustand der Bedeutungslosigkeit oder der Verfehmung des Stofflichen, rekuperiert dieser K\u00fcnstler Moore seine ganz allt\u00e4glichen Gebrauchsgegenst\u00e4nde wie beispielsweise die \u201eEspresso\u201c-kaffeetasse aus einer kleinen Konservendose der Marke \u201aSAMBAL OELEK\u2019 Harissa, der mit Lotzinn angehefteten <span style=\"color: #ff0000;\"><a href=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/?p=837#Henkel\">Henkel<\/a><\/span> aus einem gebogenen St\u00fcck Altmetall und haucht so der Materie wieder neuen Sinn ein.<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1467\" title=\"Mao's Cadmium_b_09_08_13\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Maos-Cadmium_b_09_08_13-1024x723.jpg\" width=\"1024\" height=\"723\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Maos-Cadmium_b_09_08_13-1024x723.jpg 1024w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Maos-Cadmium_b_09_08_13-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">Bild oben: Mao Zetong&#8217;s Cadmium B\u00e4der<\/span><\/h3>\n<h3>So wurde aus einem Stapel gebrauchter Schalungsbretter und anderem Bauholzabfall ein Kiosk mit einem Hochsitz dahinter der so eine Art Sonnendeck hatte das zum verweilen einlud. Die Innenausstattung der H\u00fctte war karg, der jungen K\u00fcnstler_In hinter dem Tresen bot die Behausung grade mal Schutz vor der br\u00fctenden Nachmittagssonne. Aus dem Halbdunkel des Inneren, von wo Ihre Stimme warm und zum flirten einladend zu vernehmen war, hielt Sie eine Auswahl an so essentiellen Gebrauchtwaren wie R\u00e4ucherst\u00e4bchen oder beispielsweise die lukkulischen Gen\u00fcsse ged\u00f6rrter Aprikosen aus Afghanisten feil.<\/h3>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1469\" title=\"IMG_0255\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0255-1024x768.jpg\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0255-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/IMG_0255-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><span style=\"color: #ffcc00;\">Bild oben: K\u00f6nige Kleiner L\u00e4nder anl\u00e4sslich der diesj\u00e4hrigen Performance Veranstaltung Texte von Yolanda B\u00fcrgi und Simon Egger im Dreispitz Basel, Januar 2012, iPhoto: Philip Gasser<\/span><\/h3>\n<h3>Dass Ich die Bedienung, deren freundlich-aufopfernde Performance ja eigentlich umsonst gewesen w\u00e4re, inklusive der weit unter dem \u00fcblichen Preis zu 25 Cent das St\u00fcck angebotenen Aprikosen, vor meiner Begleitung gen\u00fcsslich dem Eigenverzehr zuf\u00fchrte, ohne eines Augenblicks der Besinnung, dass Ich meinem Gegen\u00fcber selbst ebenso etwas anbieten d\u00fcrfte, w\u00e4hrenddessen Ich mit kennerischer Miene auf der Aprikose rumkauend und ganz offenkundig nicht zu verheimlichendem Stolz \u00fcber das so eben Geschehne, hingegen ebenso gen\u00fcsslich, mich weiter munter palavernd und ausufernd \u00fcber die \u201emathematische\u201c Inkompetenz der Performer_In aufhielt.<\/h3>\n<h3><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1442\" title=\"enGenerale\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/enGenerale-654x1024.jpg\" width=\"654\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/enGenerale-654x1024.jpg 654w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/enGenerale-191x300.jpg 191w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/enGenerale.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 654px) 100vw, 654px\" \/><br \/>\n<span style=\"color: #ffcc00;\">Bild oben ist Bild oben.<\/span><\/h3>\n<h3>Obschon Ich nichts, aber auch gar nichts zu meiner eigenen Verteidigung vorzubringen habe, denn wie das zur Einleitung meines Artikels, bereits erw\u00e4hnte \u201ebonmot\u201c ja zur Gen\u00fcge schon beweist, Unwissen war es mit Bestimmtheit nicht und Ich deshalb eigentlich nur ob meiner sprichw\u00f6rtlichen Entt\u00e4uschung Ausdruck verleihen kann \u00fcber mein bisweilen auffallend geringsch\u00e4tziges Verhalten meinem oder meinen N\u00e4chsten gegen\u00fcber.<\/h3>\n[audio:http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/dOC13_STE-001HuguenotHouse.mp3]\n<h3><span style=\"color: #ffcc00;\">Audio File: Huguenot House, dOCUMENTA 13 Kassel, all rights reserved, General Eccentric Ltd. Products<\/span><\/h3>\n<h3>Das wahrnehmbare der Schwingungen einer Symphonie, die sich in die Stille hinein der Abendd\u00e4mmerung welche sich allm\u00e4hlich \u00fcber das Gel\u00e4nde des Kulturbahnhofs legte, ganz unmerklich sowie urpl\u00f6tzlich durch eine Vielzahl von Lautsprechern, wie aus dem Nichts erklungen, auf den letzten Schritten am Ende des Bahnsteigs, welche von einem Komponisten Namens Pavel Haas stammten, der selber ebenfalls deportiert, (allerdings von Brno aus nach Theresienstadt, in einem ebensolchen Konvoi wie auch vom Kasseler Hauptbahnhof abgingen) und welcher 1944 in Ausschwitz ermordet wurde. Wie h\u00e4tte Ich mich Verhalten als wie Pavel Haas 1943 im j\u00fcdischen Siedlungsgebiet Theresienstadt eine Komposition mit dem Titel \u201eStudie f\u00fcr Streichorchester\u201c verfasste? Das verbl\u00fcffende an den Leidensgeschichten der deportierten Juden, die so individuell sie auch sind, inmitten der Vernichtungmaschinerie die bis in Ihren grausamen Tod hinein, Ihr Schicksal mit bewundernswerter Fassung und tadellosen Umgangsformen getragen haben, ist das Eine. Wie wir allerdings auch wissen, ist, diese Geschichte jedoch vielleicht beim n\u00e4chsten Mal aufzugreifen, die Mediatisierung des Mythologischen so weit gediehen, dass diese nicht mehr negiert werden darf noch kann. William Kentridge&#8217;s &#8222;The Refusal of Time&#8220;, dOCUMENTA13, Kassel 2012 ist ein eindr\u00fcckliches, wie auch Spektakelreiches Beispiel daf\u00fcr dass das Medium stets mitreflektiert werden sollte. Zudem m\u00f6chte Ich erinnern an den 19. April dieses Jahres, welches f\u00fcr das laufende Kalenderjahr nach hebr\u00e4ischer Rechnung, den Yom (Tag) Shoah zum Ausdruck brachte. Ein allj\u00e4hrlich sich wiederholendes Ritual \u00f6ffentlich-friedfertiger Kundgebung und Demonstration, wo Tausende Menschen zu einer bestimmten Tageszeit, Ihrer t\u00e4glichen Routine f\u00fcr zwei Minuten, und sei es mitten im nachmitt\u00e4glichen stockenden Verkehr auf den Autobahnringen Tel Aviv&#8217;s,\u00a0Einhalt\u00a0gebieten um derer Opfer\u00a0der nationalsozialistischen Herrschaft\u00a0zu Gedenken aber auch denjenigen die sich gegen die Nazi&#8217;s gewehrt und Widerstand geleistet haben.<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1475\" title=\"120316-012InflatLungdetail600dpi06\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/120316-012InflatLungdetail600dpi06-741x1024.jpg\" width=\"741\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/120316-012InflatLungdetail600dpi06-741x1024.jpg 741w, http:\/\/www.wegorythm.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/120316-012InflatLungdetail600dpi06-217x300.jpg 217w\" sizes=\"auto, (max-width: 741px) 100vw, 741px\" \/><\/p>\n<h3>Ich kann mich auch irren, aber waren es wirklich nicht die bereits vorhandenen, altgedienten Megaphon \u00e4hnlichen Schalltrichter des Bahnvorstands, welche \u00fcber allen Geleisen dr\u00e4uend wie alte Kr\u00e4hen auf Stromkandelabern sitzend, die K\u00fcnstler_In Susan Phillipsz eigens zu diesem Anlass wieder in Betrieb zu nehmen verstand?<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild oben: Inter City Hotel, Bahnhof Wilhelmsh\u00f6he Kassel<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[34,17],"tags":[43],"class_list":["post-1435","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-documenta13","category-rules","tag-schlagbild"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1435","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1435"}],"version-history":[{"count":39,"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1435\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2169,"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1435\/revisions\/2169"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1435"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1435"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.wegorythm.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1435"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}